Obmann des Fachverbandes Hotellerie: „Ich fordere einen sofortigen Belastungsstopp für die Hotellerie!

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Ein turbulentes Jahr 2015 neigt sich dem Ende zu. UrlaubUrlaub.at hat
LAbg. Siegfried Egger, den Obmann des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich, zum Interview über den Status Quo in der Tourismusbranche sowie einen Ausblick für 2016 gebeten.

 

 

UrlaubUrlaub.at: 2015 war ein bewegendes Jahr für die Tourismusbranche. Was waren Ihrer Meinung nach die Höhe- und Tiefpunkte des Jahres?

Siegfried Egger: Der Fachverband Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich vertritt 17.000 Beherbergungsbetriebe mit 1,05 Millionen Betten. Mit über 37 Millionen Ankünften und knapp 132 Millionen Nächtigungen leistet die heimische Hotellerie einen wesentlichen Beitrag zur direkten und indirekten Wertschöpfung der Tourismus- und Freizeitwirtschaft in der Höhe von rund 48,8 Milliarden Euro. Das sind 14,8 Prozent des BIP. Die Hotellerie ist als Teil der Tourismus- und Freizeitwirtschaft ein wesentlicher, aber auch verlässlicher Jobmotor im Land. Auf diese Leistung sind wir stolz. Enttäuschend ist, dass genau diese Leistung von der Regierung anhand der beschlossenen Steuerreform massiv geschwächt wird.

UrlaubUrlaub.at: Was sind die größten Herausforderungen für die kommenden Monate?

Siegfried Egger: In Österreich brauchen wir eine stärkere Lobby für die Hotellerie. Jetzt gilt es, uns Gehör bei der Politik zu verschaffen. Unsere Anliegen müssen auf den Tischen der Entscheidungsträger landen.

Kernthema ist jedenfalls der Fachkräftemangel in der Branche. Die Ausbildung muss unbedingt modernisiert und die Rekrutierung von Fachkräften aus anderen Ländern thematisiert werden, um die heimische Hotellerie wettbewerbsfähig halten zu wollen. Auch der für Hoteliers oft schwierige Zugang zu Finanzierungen wird zunehmend problematisch. Investitionsstaus und damit überfällige Renovierungsarbeiten sind die Folge. Handlungsbedarf besteht zudem bei Betriebsübergaben. In Bezug auf die wachsende „sharing economy“ in der Branche -Stichwort Air B’n’B – setzt sich der Fachverband verstärkt für faire Wettbewerbsbedingungen ein. Das Motto muss lauten: Gleiches Recht für alle. Und gleiche Rahmenbedingungen für alle Marktteilnehmer. Die Hotellerie ist eine Wachstums- und Leitbranche. Hier geht es jetzt darum, Stärken zu stärken.

UrlaubUrlaub.at: Im Juli 2015 hat der Nationalrat das neue Steuerpaket beschlossen. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Mehrwertsteuererhöhung von 10 % auf 13 % für Beherbergung. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Siegfried Egger: Die Steuerreform und die damit einhergehende Mehrwertsteuererhöhung von 10% auf 13% treffen unsere Mitgliedsbetriebe massiv. Darüber hinaus bremsen eine sinkende Wertschöpfung, schwierige Finanzierungsbedingungen und immer mehr neue Auflagen die Wettbewerbsfähigkeit der Hotellerie-Branche immens. Ich fordere daher einen sofortigen Belastungsstopp für die Hotellerie. Schließlich kämpfen wir im internationalen Umfeld mit einer höheren Hotellerie-Mehrwertsteuer.

UrlaubUrlaub.at: Die Nächtigungszahlen sind in diesem Sommer erneut gestiegen. In welchen Tourismusbereichen (Städtetourismus, alpine Regionen etc.) gibt es die stärksten Zuwächse und in welche Richtung wird sich das weiter entwickeln?

Siegfried Egger: Die Nächtigungsentwicklung im September 2015 liegt laut Statistik Austria bei Plus 4,5% (inländische Gäste +5,3%, ausländische Gäste +4,1%). In den Monaten Mai-September 2015 zeigt das Übernachtungsergebnis ein Plus von 3,9% (inländische Gäste +2,5%, ausländische Gäste 4,5%). Den größten Zuwachs im Sommer 2015 verzeichnete Wien mit +8,3%, gefolgt von Tirol mit +4,7% und Salzburg mit +4,6%. Insgesamt ist ein Trend im Städtetourismus zu beobachten. Der tatsächliche Erfolg ist allerdings am Umsatz zu messen, nicht an den wachsenden Nächtigungszahlen.

UrlaubUrlaub.at: Ab 1.1.2016 gilt in Österreich die Registrierkassen- und Belegerteilungspflicht. Was raten Sie Österreichs Tourismusbetrieben in diesem Zusammenhang?

Siegfried Egger: Der Fachverband Hotellerie hat zur Registrierkassen- und Belegerteilungspflicht eine umfassende Informationsplattform für Mitgliedsbetriebe eingerichtet. Darunter auch einen Online-Ratgeber zur Überprüfung, ob für den Betrieb eine Registrierkassenpflicht und Belegerteilungsverpflichtung besteht, ob Ausnahmen oder Erleichterungen zutreffen, ab wann die Verpflichtung zur Führung eines elektronischen Aufzeichnungssystems besteht und welche technischen Schritte erforderlich sind.

UrlaubUrlaub.at: Online-Marketing und -Vertrieb nehmen stark zu. Wie gut sind Österreichs Tourismusbetriebe auf diese Situation vorbereitet, reagieren sie rasch genug auf diese Veränderung und wie gehen sie generell damit um?

Siegfried Egger: Etwa ein Drittel aller Hotelbuchungen erfolgen heutzutage alleine über Online-Buchungsplattformen. Eine Zahl, die nicht zu vernachlässigen ist. Ein Buchungskanal, der für die Branche und für die Gäste nicht mehr wegzudenken ist. Durch die Digitalisierung haben Betriebe die Möglichkeit, ihre Angebote auf einer noch breiteren Ebene zu bewerben und dadurch ihren Kundenstamm zu erweitern. Eine riesige Chance für die Hotellerie, aber auch eine ernst zu nehmende Aufgabe. Die Online-Welt mit Online-Auftritt, Online-Buchbarkeit und Online-Bewertungen inklusive der kritisch anzusehenden „fake-reviews“ – also getürkte Bewertungen – bleibt herausfordernd für den Gast und Hotelier. Die eigene Website ist und bleibt eines der wichtigsten Kommunikationsinstrumente. Hier gibt es noch Entwicklungspotential nach oben.

UrlaubUrlaub.at: Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für 2016!

 

Foto: Siegfried Egger, Copyright: ÖVP Tirol

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